Valentinstag – Mein Selbstliebe-Moment
Ein Tag zwischen Erwartung und Erinnerung
Dieser Tag wurde uns lange als Pflicht verkauft. Blumen, Pralinen, rote Herzen. Ein kollektives Ritual, das uns sagt, wem wir heute unsere Liebe zeigen sollen und wie sie auszusehen hat. Ich habe viele Jahre geglaubt, dass Liebe etwas ist, das nach außen gehört, dass sie bewiesen werden will, dass sie sichtbar sein muss, damit sie gilt. Doch was war mit mir.
Ich kannte so etwas wie Selbstliebe nicht. Ich war zu viel, nie genug, nicht angepasst, nicht perfekt, nicht richtig. In einer Welt, in der Kritik mehr Gewicht hatte als Zuwendung, Maßregelung stärker war als Bestätigung, fiel es mir gar nicht auf, dass ich mich selbst lieben könnte. Und ich habe auch nicht gespürt, dass die Menschen, denen ich an diesem Tag meine Liebe zeigen sollte, sich selbst liebten. Vieles war von außen diktiert und wir folgten, weil man es so macht, weil es sich so gehört. Jahrzehnte lang habe ich dieses Spiel geglaubt.
Der Schritt in die Selbstbestimmtheit
Dann kam der Schritt in die Selbstbestimmtheit. Nicht laut, aber unumkehrbar. Meine Lebensumstände veränderten meine Wertschätzung zu mir selbst. Ich traf folgenreiche Entscheidungen und stand für mich ein. Ich hielt Kritik und Vorwürfe aus und begann Schritt für Schritt für mich zu sorgen. Es war ein neues Feld, fremd und unsicher, und doch spürte ich, dass es der einzig richtige Weg ist. Also ging ich weiter. Verbindungen lösten sich. Für das Außen war ich egoistisch, eingebildet, trotzig, aufsässig, völlig durchgedreht. Vielleicht war ich das. Vielleicht war ich einfach endlich frei.
Ich tat, was ich längst hätte tun dürfen. Ich befreite mich und erkannte die wunderbare Frau, die ich bin. In dieser Zeit konnte ich auch eine gute Mutter für meine damals achtjährige Tochter sein. Nicht perfekt, aber bewusst. Ich habe ihr vieles nicht weitergegeben, was mir auferlegt wurde. Mein Weg ist bis heute ein stetiges Spüren und seit der Entscheidung vor fünfundzwanzig Jahren ein nährender, lehrreicher Weg zu mir selbst.
Selbstliebe ist eine Entscheidung
Heute sage ich mir klar und ohne Zögern: Ich liebe mich von ganzem Herzen. Mit allen Ecken, Kanten und Rundungen, mit grauen Haaren, gelebter Haut und wilder Seele. Ich liebe meine Leidenschaft, meine Ekstase, meine Freude, meine Tränen, meine Zweifel und meine Wut, meine Hingabe, meine Unbändigkeit, mein Nein und mein Ja. Und ich bin fein mit meiner Fehlbarkeit, meinem Verkacken, meinen Umwege und meiner Unwissenheit.
Mein Weg war nie geschniegelt. Er war echt. Mit Dreck unter den Fingernägeln und Herzklopfen im Hals. Ich erlaube mir Fehler zu machen, Dinge noch nicht zu wissen und unsichere Pfade zu gehen, auch wenn ich ihr Ende nicht kenne. Ich liebe mich nicht, weil ich perfekt bin, sondern weil ich vollständig bin. Mit allem, was ich war, bin und noch werde. Heute schenke ich mir selbst die Treue.
Nicht morgen, nicht irgendwann. Heute.
Wenn eine Tochter sich selbst erkennt
Und dann erinnere ich diesen Moment aus dem letzten Jahr. Meine Tochter, inzwischen 33 Jahre alt, erzählte mir von einer Zugfahrt nach einer schweren Phase ihres Lebens. Sie sah sich im Spiegelbild des Fensters und bekam Schmetterlinge im Bauch, weil sie erkannte, dass sie für die Frau, die sie dort sah, voller Liebe ist. Dieser Moment treibt mir bis heute die Tränen in die Augen. Wie wundervoll ist dieses Leben, wenn es uns erlaubt, uns selbst so zu begegnen. Wir sind beide in uns zuhause angekommen und voller Liebe für das, was uns als Frauen in dieser Zeit ausmacht. Ich bin stolz auf uns. Diese Form der Selbstannahme ist ein Geschenk.
Die Entscheidung ist unverhandelbar
Vielleicht ist dieser Valentinstag kein Pflichttermin. Vielleicht ist er eine Erinnerung. Eine Einladung, Dir selbst die Treue zu schenken. Denn die Liebe, die Du Dir selbst verweigerst, wird Dir niemand im Außen ersetzen. Und die Liebe, die Du Dir selbst schenkst, verändert alles. Heute entscheide ich mich für mich. Und diese Entscheidung ist unverhandelbar.
Einladung zur Selbstbegegnung
- Wie geht es Dir mit Deiner Selbstliebe?
- Fühlst Du Dich in Dir zuhause?
- Was macht dieser Tag mit Dir?
Vielleicht magst Du heute einen Moment still werden und ehrlich in Dich hineinspüren.
In Wahrhaftigkeit, ohne Vergleich und Urteil.
- Wo verlässt Du Dich noch selbst?
- Wo darfst Du Dich neu wählen?
- Was würde sich verändern, wenn Du Dir selbst die Treue schenkst?
Selbstliebe beginnt nicht mit einem Gefühl. Sie beginnt mit einer Entscheidung.
Und vielleicht ist heute Dein Moment.
Ich wünsche Dir in jedem Fall viele wunderbare Selbstliebe-Momente.
(c) Mein Dank geht an Peggy Schneider von Peggy´s Fotodesign, die auf Kreta im September 2025 diese innigen Momente fotografiert hat.
